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Wider den Verlust der Menschlichkeit: Prof. Wuketits plädiert für eine "artgerechte Menschenhaltung"

VON RAPHAEL MANKAU meist gelesen

Was für Tiere längst eine Selbstverständlichkeit ist, gilt bei Menschen noch als Provokation: eine "artgerechte Haltung", welche die neuesten Erkenntnisse aus Evolutionsbiologie, Verhaltensforschung, Soziobiologie oder Anthropologie ernst nimmt. Der Evolutionsforscher und Wissenschaftstheoretiker Prof. Dr. Franz M. Wuketits weist in seinem  neuen Buch "Zivilisation in der Sackgasse" den fundamentalen Widerspruch zwischen der eigenen Natur des Menschen und der heutigen Zivilisation auf und zeigt Wege aus dem Dilemma.

Die heutige Zivilisation macht uns krank

Bis zu 25 Prozent der Menschen in den zivilisierten Ländern sind Schätzungen zufolge psychisch krank – Stress, Depression, Burnout. Die primär ökonomisch geprägte Lebenswelt mit ihrem zunehmenden Tempo und ihren Forderungen nach Flexibilität und Globalisierung überfordern den Einzelnen und widersprechen dem Menschen als Gattung. Unsere psychische Grundausstattung, erworben in vielen Jahrmillionen, ist auf die Erfordernisse dieser Zivilisation nicht zugeschnitten. Wir Menschen sind Resultate langer stammesgeschichtlicher Entwicklungsprozesse, in und mit denen unser emotionaler "Haushalt" ausgeprägt wurde – in einer Welt aber, die gänzlich anders ausgestattet war als die, in der wir heute leben. Der heutige Mensch befindet sich in einem undurchsichtigen Geflecht institutioneller und ökonomischer Erfordernisse, welche die Möglichkeiten seines Überlebens entscheidend mitbestimmen und in gleichem Maße seinen eigenen Handlungsradius einschränken.

Verlust von "Menschlichkeit"

"Wir können natürlich nicht in die Steinzeit zurückkehren. Zu überlegen ist aber, wie wir die heutige Lebenswelt gestalten wollen, um dem ,Steinzeitmenschen in uns‘ gerecht zu werden", lautet daher das Anliegen von Prof. Dr. Franz M. Wuketits, der an der Universität Wien Philosophie der Biowissenschaften lehrt und 40 Bücher sowie weit über 400 Artikel publiziert hat. Sein neues Buch "Zivilisation in der Sackgasse" will keine Zivilisationskritik im herkömmlichen Sinne sein, sondern sich auf die bahnbrechenden wissenschaftlichen Erkenntnisse der Disziplinen wie Evolutionsbiologie, Verhaltensforschung, Soziobiologie oder Anthropologie der letzten Jahre stützen. "Solang gesellschaftliche, politische und ökonomische Strukturen an diesen Erkenntnissen vorbeigehen, ist ein weiterer Verlust von "Menschlichkeit‘ (im doppelten Sinn des Wortes) vorprogrammiert – mit unabsehbaren Folgen für den Einzelnen wie für die Kollektive", warnt Wuketits.

Auswege aus der "Sackgasse"

Die beiden ersten Kapitel des Buches geben einen knappen Abriss der Naturgeschichte und des Menschen und der Grundprinzipien, die seine gesellschaftliche Entwicklung bestimmt haben und nach wie vor unsere sozialen Beziehungen maßgeblich beeinflussen. Das dritte Kapitel befasst sich kritisch mit unserer Zivilisation und zeigt, wie ihre Erfordernisse mit unserer Natur zusammenprallen. Im vierten Kapitel widmet sich Wuketits dem geplagten Individuum in unseren Massengesellschaften und einer zunehmend verwalteten und überregulierten Welt. Von der fatalen Beschleunigung, die unsere Zeit kennzeichnet und den Einzelnen überfordert, handelt das fünfte Kapitel, während das sechste Kapitel zur Besinnung auf das "Mensch-Sein" einlädt. Abschließend plädiert das siebente Kapitel für eine  "artgerechte Menschenhaltung" und ermuntert dazu, neue Wege in der Entwicklung unserer Zivilisation zu erkennen.

BUCHTIPP:
Prof. Dr. Franz M. Wuketits: Zivilisation in der Sackgasse - Plädoyer für eine artgerechte Menschenhaltung. Mankau Verlag, 1. Aufl. November 2012. Hardcover mit Schutzumschlag, 262 S., 19,95 € (D) / 20,60 € (A), ISBN 978-3-86374-054-2

LINK-EMPFEHLUNGEN:
*  Informationen und Leseprobe zum Buch "Zivilisation in der Sackgasse"
*  Mehr zum Autor Prof. Dr. Franz M. Wuketits


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Autor:
[R/M]


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Artikel vom 16.11.2012


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